Auf Anti-Bias-Reise in der Erwachsenenbildung

Schieflage, Voreingenommenheit oder Vorurteil – so in etwa lässt sich das englische Word „bias“ übersetzen. Der Anti-Bias-Ansatz zielt darauf ab, diese Schieflage, die durch einseitige Wahrnehmungen und Vorurteile entstanden ist, ins Gleichgewicht zu bringen. Dazu ist es notwendig, einen bewussten Umgang mit Vorurteilen zu entwickeln, denn ohne Vorurteile ist letztlich kein Mensch. Im Anti-Bias-Training geht es sowohl um die persönliche Verstrickung in Diskriminierungsstrukturen als auch um die Vermittlung von Wissen über die gesellschaftliche Verankerung von Machtverhältnissen. 

Diese Verknüpfung stand denn auch im Mittelpunkt der sechsmonatigen Weiterbildung, die Paola Fabbri-Lipsch vom Zentrum Oekumene und Christiane Wessels vom Fachbereich Erwachsenenbildung im Zentrum Bildung gemeinsam mit Karin Joggerst vom Anti-Bias-Forum Freiburg durchgeführt haben. Von September 2021 bis April 2022 wurden fünf jeweils zweitägige Module mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten angeboten, in denen die Teilnehmer*innen für die Umsetzung dieses Ansatzes in ihrer alltäglichen Arbeit qualifiziert wurden. Bedingt durch die Corona-Pandemie mussten zwei Module als Online-Formate angeboten werden – eine zusätzliche Herausforderung für einen Ansatz, bei dem Erfahrungen und Erlebnisse der Teilnehmenden und die emotionale und kognitive Ebene gleichermaßen eine Rolle spielen. Dass das Einstiegsmodul, bei dem die innere Einstimmung und das gegenseitige Kennenlernen im Zentrum standen, in Präsenz stattfinden konnte, erwies dabei als sehr hilfreich für den weiteren gemeinsamen Lernprozess, der dann teilweise digital erfolgte. Den roten Faden der Anti-Bias-Weiterbildung bildet der Dreischritt „erkennen, benennen, handeln“. Immer wieder geht es im Anti-Bias-Prozess darum, Diskriminierungen und Schieflagen wahrzunehmen und zu erkennen, sei es im eigenen Handeln und/oder auf der strukturellen Ebene. Der nächste Schritt ist dann, diese Diskriminierungen zu verstehen und sich mit internalisierter Dominanz und Unterdrückung auseinanderzusetzen. Ein wichtiger Erkenntnisprozess bildet dabei die Bewusstwerdung der eigenen Macht und der Gestaltungsmöglichkeiten. Der dritte Schritt ist schließlich das Hinwirken auf Veränderungen, worin sich der politische Charakter dieses Ansatzes zeigt. Anti-Bias zum Maßstab des eigenen Handelns zu machen, die eigene Rolle zu definieren und eine Haltung zu entwickeln, bildete den Abschluss der Weiterbildung. 

Die 16 Teilnehmer*innen dieser Weiterbildung zur/zum Anti-Bias-Multiplikator*in kamen aus interkulturellen und interreligiösen Arbeitskontexten, sei es im Arbeitsfeld Kindertagesstätten und Familienbildung oder der Bildungs- und Beratungsarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen.           . 

Für sie endete die Weiterbildung mit der Umsetzung erster eigener Projekte, die vor allem darauf abzielten, den Anti-Bias-Ansatz im eigenen Arbeitskontext bekannt zu machen und erste Veränderungsprozesse anzustoßen. 

Wer sich auf den Anti-Bias-Ansatz einlässt, dem/der wird bewusst, dass diese Reise immer weiter geht und das berufliche und persönliche Leben begleitet. Die Anti-Bias-Reise in der Erwachsenenbildung soll im kommenden Jahr vorgesetzt werden. Geplant sind in Kooperation mit Karin Joggerst vom Anti-Bias Forum Freiburg vertiefende Module, die einzelne Diskriminierungsaspekte wie z.B. Rassismus oder Klassismus aufgreifen.

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