Flexible Raumgestaltung und informelle Begegnung in Videokonferenzen mit wonder.me

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Eine der wichtigsten Eigenschaften analoger Fachtage und Veranstaltungen ist es, bei Bedarf mit interessanten Gesprächspartnern Seitengespräche führen zu können, sei es bei einer Tasse Kaffee in der Pause oder in einem Nebenraum. Dieser Mehrwert ist auf den ersten Blick sehr schlecht in ein digitales Setting zu übertragen, da sich die Videokonferenz-Teilnehmer*innen gemeinsam in einem zweidimensionalen Raum aufhalten.

Diese Lücke möchte der Berliner Dienst wonder.me (ehemals Yotribe) schliessen, in dem ein Videokonferenzangebot mit einer flexiblen Raumgestaltung auf den Markt gebracht wird. Derzeit wird der Dienst nach und nach für immer mehr Kunden kostenlos zur Verfügung gestellt, für die Nutzung ist es erforderlich, über die Website einen Raum zu beantragen.

Wie funktioniert wonder.me?

wonder.me ist ein browserbasierter Dienst, eine Software zum Installieren gibt es nicht. Nach erfolgter Registrierung bekommen die Nutzer*innen einen eigenen Videokonferenzraum mit einer benutzerdefinierten ID, für den sie am Anfang ein Host-Passwort vergeben müssen, damit zusätzliche Rechte zur Verfügung stehen. Um andere Teilneher*innen einzuladen reicht es, den benutzerdefinierten Raumlink zu teilen.

Innerhalb einer Videokonferenz sind alle Personen im Hauptfenster in kleinen Kreisen sichtbar, die per Mausbewegung im digitalen Raum bewegt werden können. Sobald sich die Kreise von zwei oder mehreren Personen näher kommen, wird ein Kommunikationskreis gebildet und die Personen sind per Video und Audio füreinander sichtbar und hörbar. Auf diese Weise ist es möglich, dass die Teilnehmer*innen in einem Videokonferenzraum sich in mehrere Kommunikationskreise aufteilen und dass mehrere getrennte Unterhaltungen zeitgleich stattfinden können.

Wie gut funktioniert wonder.me?

Getestet haben wir den Dienst mit 12 Kolleg*innen aus Deutschland und Österreich. Überraschend gut war die Audio- und Videoqualität der Teilnehmer*innen, wobei wir von anderen Testgruppen eher Kritik bezüglich der schlechten Bildqualität erhalten haben. Lediglich Nutzer*innen, die auch bei Zoom-Konferenzen ab und zu ruckelig zu verstehen sind, gab es stärkere Verbindungsprobleme, was darauf hinweist, dass wonder.me nicht ganz so gut mit schlechten Verbindungen umgehen kann wie Zoom, jedoch wesentlich besser als die von uns getesteten Jitsi und BigBlueBotton Instanzen.

Die Bildung neuer Kommunikationskreise sowie das Bewegen im Raum war sehr intuitiv und hat niemanden vor Herausforderungen gestellt. Bildschirmfreigaben sind innerhalb der Kreise problemlos möglich, kommunizieren können die Nutzer*innen über einen Chat entweder privat, mit Anderen in einem Kommunikationskreis oder global mit allen.

Was nicht funktioniert hat, ist die Broadcastfunktion, ein Dienst, der dem Host zur Verfügung steht. Hiermit soll es möglich sein, als Host das Wort an alle Teilnehmer*innen zu richten, also auch an die in anderen Kommunikationskreisen. Auch haben wir als Host in der Teilnehmer*innenverwaltung weitere Funktionen wie Stummschaltung anderer Teilnehmer*innen und eine Rednerliste vermisst. Allerdings steht wonder.me ja noch ganz am Anfang seiner Geschichte und ich bin mir sicher, dass neben kostenpflichtiger Angebote auch erweiterte Funktionen dazukommen werden.

Für was ist wonder.me nützlich?

Methodisch sehe ich den Dienst in allen digitalen Angeboten, in denen es auf flexible Raumgestaltung ankommt, in Barcamps, Worldcafés, Markt der Möglichkeiten und so weiter. Der deutsche Serverstandort und der Firmensitz in Berlin sind weitere datenschutzrechtliche Aspekte, die wonder.me sehr attraktiv machen.

Für kleinere Gruppen von 30-40 Personen würde ich das Tool jederzeit ausprobieren und einsetzen, frage mich aber, ab wie viel Personen wonder.me anfängt instabil zu laufen. Aber vielleicht haben unsere Leser*innen hier auch schon Erfahrungen gemacht? Über Ergänzungen in den Kommentaren freuen wir uns natürlich…

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